
“Alles nur halb so wild – das Thema ist somit abgeschlossen.”*
Wenn man “Brass Quintett” liest, denkt man wahrscheinlich zunächst an eine laute, akustische Klangformation. Eher ein “z’vü”. Doch bei diesem Programm widmet sich Brass Council explizit den Klängen, die sonst vielleicht in der Klangwolke untergehen. “Ois hoib so wüd” legt den Fokus auf geräuschhafte Spieltechniken, würdigt atmosphärische, mikrotonale Klangteppiche, in denen jede noch so kleine Bewegung wahrgenommen wird. Wie eine Reminiszenz an den bekannten Blechbläserklang tauchen immer wieder Melodie Fragmente aus “O Ecclesia” von Hildegard von Bingen auf. Mal mehr, mal weniger entfremdet. Zusammen mit klein besetzten Werken die vor allem mit Luftklängen und Geräuschen arbeiten, verbindet das Ensemble eine improvisierte graduell sich wandelnde Atmosphäre auch durch das Wandeln und Bespielen des Raums. Dabei wird die Eigenschaft der Blechblasinstrumente, Klang gezielt richten zu können, voll ausgespielt. Die Besetzungen der Stücke und deren Reihenfolge ergeben die notwendige Choreographie der Klänge im Saal. Diese Konzeptionierung ermöglicht dem Publikum ein individuelles Konzerterlebnis je nach Platzwahl. Das auf den ersten Blick empfundene “z’vü” entpuppt sich als “Ois hoib so wüd.” Die Umsetzung folgt dem Raum. Es passt genau.
*https://www.superprof.at/blog/oesterreichische-woerter/ abgerufen am 20.01.2026
Ein Drone mit Medlodiefragmenten von Hildegard von Bingens O Ecclesia bildet das Kernstück des Programms umgarnt von Werken, die sich den Luftklängen widmen wie James Saunders' "Paths Touching" (2008) für Posaune & Trompete oder die legendären “32 Atemzüge” von Tom Johnson (2000/2026) in einer Version für Tuba und andere Werke. Instand composing des Ensembles stellt die Verbindung zwischen den Stücken im Raum her.
